04.07.2017

Exponat des Monats

Schnupftabakdosen – Zwei kleine Pretiosen aus der Sammlung Gustav Lübcke

Schnupftabakdosen – Zwei kleine Pretiosen aus der Sammlung Gustav Lübcke 

Am 16. Juli wird die große Jubiläumsausstellung HEREINSPAZIERT! 100 Jahre Sammlung Gustav Lübcke eröffnet. Als im wahrsten Sinn des Wortes kleiner Vorgeschmack zu dieser Schau sind zum Kunstwerk des Monats Juli zwei Tabakdosen aus dem Jahre 1758 ausersehen.

Die beiden Behältnisse wurden aus Kupferemail, Emailmalerei, Kupfermontierung und Vergoldung in der Manufaktur Berlin gefertigt. Kompositionen aus Fahnen und Trommeln als Kriegsembleme des Siebenjährigen Krieges füllen die äußeren Randseiten. Die Oberseite des einen Objekts zieren mit Schleifenbändern versehene Kartuschen, in denen die Kriegsschlachten eingeschrieben sind. Dazwischen flimmert in leuchtendem Gelb das Signet Friedrich des Großen. Auf der Innenseite der anderen Tabatière, so der Fachbegriff, blickt uns als stolzes Halbfigurenporträt Friedrich der Große mit seinen prägnant großen Augen entgegen. „Die beiden Tabatièren sind Kleinkunstwerke von hohem gestalterischen und malerischen Anspruch“, beurteilt die Kuratorin Dr. Diana Lenz-Weber. „Besonders fasziniert die minutiöse, spielerisch wirkende leuchtfarbige Malerei, die ganz dem Rokoko verpflichtet ist.“

 

Kunstvoll verarbeitete und dekorierte Preziosen wie die Tabakdosen –– waren inklusive des Schnupftabaks im 18. Jahrhundert ein begehrtes Luxusprodukt. Als Attribut des gesellschaftlichen Ranges und Ausdruck der Selbstdarstellung entwickelte sich die Tabatière nicht nur zu einem wesentlichen Bestandteil des modischen Kostüms der Zeit, sondern auch zu einem gefragten Kunstobjekt, das man selbst sammelte oder auch häufig verschenkte: Als Liebespfand oder Belohnung oder als Gunstbeweis. Sehr früh stellten sich die Manufakturen auf den regen Bedarf an diesen kleinen Accessoires ein und entwickelten eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle und Formen. Die Kostbarkeit des verarbeiteten Dosenmaterials ließ Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Stellung ihres Besitzers zu. Für den großen Preußenkönig, der über eine vielfältige und kostbare Tabakdosensammlung verfügte, waren die Tabatièren eine stets willkommene Begleitung. Er hatte sie stets griffbereit. Sie lagen auf der Kommode, der Speisetafel und auf dem Schreibtisch. Auch während kriegerischer Auseinandersetzungen trug er sie – laut Überlieferung – bei sich. Ob er die beiden Tabatièren im Museum, auf denen er in unterschiedlicher Weise verewigt ist, je in den Händen hielt, ist nicht belegt. Demnächst zu sehen in der Sonderausstellung HEREINSPAZIERT!