07.09.2017

Bundeskinderschutzgesetz

Das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) beschreibt seit 2012 die Aufgaben wichtiger Berufsgruppen, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien zu tun haben, im Hinblick auf den Kinderschutz neu. Das Gesetz klärt wichtige in der Vergangenheit offene oder strittige Fragen.

Gehören Sie dazu? Berufsgruppen im Bundeskinderschutzgesetz
  1. Ärztinnen oder Ärzten, Hebammen oder Entbindungspfleger oder Angehörige eines anderen Heilberufes, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert,
  2. Berufspsychologinnen oder -psychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung,
  3. Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberaterinnen oder -beratern sowie
  4. Beraterinnen oder Beratern für Suchtfragen in einer Beratungsstelle, die von einer Behörde oder Körperschaft, Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts anerkannt ist,
  5. Mitglieder oder Beauftragte einer anerkannten Beratungsstelle nach den §§ 3 und 8 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes,
  6. staatlich anerkannte Sozialarbeiterinnen oder -arbeiter oder staatlich anerkannte Sozialpädagoginnen oder -pädagogen oder
  7. Lehrerinnen oder Lehrer an öffentlichen und an staatlich anerkannten privaten Schulen

BKiSchG: § 4 Abs 1 (KKG)

Der gesetzliche Auftrag zum Tätigwerden bei Anhaltspunkten für eine Kindes-wohlgefährdung

Wenn Ihnen in Ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt werden, so sind Sie durch das Gesetz verpflichtet, mit dem Kind oder Jugendlichen und den Eltern (bzw. den Personensorgeberechtigten) die Situation zu besprechen und, soweit erforderlich, bei den Eltern auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinzuwirken. Diese Verpflichtung wird nur eingeschränkt, wenn der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen durch diese Gespräche in Frage gestellt wird (In diesen Fällen sollten Sie sich durch eine insoweit erfahrene Fachkraft – s.u. - beraten lassen und/oder direkt zum Jugendamt Kontakt aufnehmen).

BKiSchG, § 4 Abs 1 (KKG)

Erfahrene Fachkräfte können Sie beraten!

Der Auftrag des Bundeskinderschutzgesetzes stellt alle Fachkräfte vor neue Herausforderungen. Der Gesetzgeber hat darum dafür gesorgt, dass Sie Unterstützung bekommen können. Sie haben zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung Anspruch auf Beratung durch eine speziell geschulte Fachkraft („insoweit erfahrene Fachkraft“).  Sie sind zu diesem Zwecke befugt, mit dieser Beratungsfachkraft derartige Fälle „anonym“ zu beraten. Eine insoweit erfahrene Fachkraft verfügt über besondere Qualifikationen und Erfahrungen zur Einschätzung einer Gefährdungslage. Diese Fachkraft kann sie dabei unterstützen, den Fall zu reflektieren, geeignete Hilfen zu finden und einzuleiten und ggf. die notwendigen weiteren Schritte zu planen und umzusetzen. Die Fachkraft hat nicht die Aufgabe, selbst die Unterstützung einer Familie zu leisten.

BKiSchG, § 4 Abs 2 (KKG)

Grenzen des Datenschutzes bei einer anhaltenden Gefährdung

Scheidet eine Abwendung der Gefährdung durch die oben genannten Schritte aus, weil z.B. das Kind durch Gespräche mit den Eltern gefährdet würde, oder ist ein gemeinsames Vorgehen mit den Betroffenen erfolglos und Sie halten das Tätigwerden des Jugendamtes trotzdem für erforderlich, um eine Gefährdung des Wohls des Kindes oder eines Jugendlichen abzuwenden, so sind Sie befugt, das Jugendamt zu informieren. Zu diesem Zweck sind Sie befugt, dem Jugendamt die erforderlichen Daten mitzuteilen. Bei diesem Schritt unterstützt Sie die insoweit erfahrene Fachkraft. Wenn Sie diesen Schritt gehen, sind die Betroffenen vorab darauf hinzuweisen, es sei denn, dass damit der wirksame Schutz des Kindes oder Jugendlichen in Frage gestellt wird.

BKiSchG, § 4 Abs 3 Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG)