21.04.2015

Der Herringer Markt

Die ursprüngliche Bebauung des heutigen Marktplatzes bestand aus einer Ansammlung dicht an Kirche und Friedhof gedrängter Hausstellen. Unmittelbar neben der St.-Victor-Kirche lag die Wirtschaft Biermann, der seit 1710 das Recht zum Brennen und Backen eingeräumt war. 1786 beschädigte oder zerstörte ein Feuer im Ortskern zahlreiche Häuser dieser „Kirchhöfnersiedlung“.

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Ausschnitt aus einer historischen Katasterkarte

Dorfkern von Herringen, 1828. Ausschnitt aus dem Urkataster, Flur 3
Quelle: Vermessungs- und Katasteramt

1825 wurde ein neues Schulgebäude an der St.-Victor-Kirche errichtet, das bis zum Bau der Falkschule im Jahre 1911 seinen Zweck erfüllte, dann nach einigen Jahren Leerstand als Gemeindehaus und Konfirmandensaal diente.  Daneben stand das Küster- und Lehrerhaus. Ferner befanden sich südlich der Kirche in dieser Zeit noch weitere etwa fünf Haus- und Hofstellen. Nördlich der Kirche waren der Pfarrhof und der Schulzenhof angesiedelt. Erst 1851 wurde der Friedhof vom Kirchhof auf ein Gelände im Bereich des Roggenkamps verlegt.

1897 entstand gegenüber des heutigen Platzes zur Fangstraße die Gaststätte Milk, die über Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Treffpunkte im Herringer Dorf werden sollte. 1908 folgte am nördlichen Ende der Neubau der alten Dorfwirtschaft von Wilhelm Schulze zur Wiesch.  

1928 beschloss der Gemeinderat den Abbruch der alten Bebauung im Dorfkern und die Nutzung der Freifläche als Marktplatz. Die Bewohner mussten entweder am Rand des Platzes neue Häuser errichten oder andere Gebäude im Tausch beziehen. Zunächst mit einer Aschendecke befestigt, erhielt der Platz 1935 eine Kleinpflasterung. Die Ränder wurden mit Linden bepflanzt, vom Altbestand blieben nur die „Bismarckeiche“(1900) sowie zwei „Friedenseichen“ (1872, 1914) stehen. Am 5. April 1933 fand hier der erste Wochenmarkt statt.  Während des Nationalsozialismus wurde der Platz auch für Kundgebungen und Aufmärsche genutzt.

Die Hammer Straße (heute Neufchâteaustraße) zwischen Marktplatz und evangelischem Friedhof war in dieser Zeit die Hauptverkehrsachse zwischen Hamm und Rünthe bzw. Lünen. Hier gab es auch die frühesten Tankgelegenheiten für Automobile.

1982 wurde der Platz grundlegend saniert und umgestaltet. Vor allen Dingen musste die Pflasterung saniert werden. Immer wieder nämlich hatten Marktbeschicker einzelne Steine des alten Verbundpflasters ausgegraben, um ihre Stände zu sichern.