16.10.2017

Beeindruckend! Die Abteilung Stadtgeschichte

Die Stadtgeschichte ist neben der überregional bekannten Ägypten-Abteilung ein neuer Schwerpunkt des Hauses. „Wir sind ein Museum in Hamm und auch über Hamm. Unser Haus soll für auswärtige wie einheimische Gäste gleichermaßen interessant sein“, begründet Museumsdirektorin Dr. Friederike Daugelat. „Und wo kann man der eigenen Geschichte besser nachspüren als bei uns im Museum?"

In der Stadtgeschichte können Besucher in die rund 800 Jahre alte Historie von Hamm eintauchen. „Was ist für Sie typisch Hamm?“, hat das Museumsteam 2013 in einer Umfrage die Mitglieder des Museumsvereins gefragt. Viele haben geantwortet – und das Ergebnis lässt sich nun unter anderem in unserer neuen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte bewundern. Die Stadtgeschichte umfasst jetzt fast dreimal so viel Raum wie bisher, die Präsentation wurde ausgeweitet, um einige neue Exponate und moderne Medien ergänzt und bezieht auch einen größeren Zeitrahmen ein: Beginnend bei der Stadtgründung geht die neue Dauerausstellung über die Nachkriegsära bis in die heutige Zeit.

In mehreren Kapiteln von der Stadtgründung 1226 über die Preußenzeit bis zum 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen und der kommunalen Neuordnung des Stadtgebiets können die Besucher wesentliche Stationen der Hammer Geschichte im Gustav-Lübcke-Museum erleben. Kuratorin Dr. Maria Perrefort hat dabei besonderen Wert darauf gelegt, immer wieder auch den Bogen zur Gegenwart zu schlagen. Im Kapitel zur Stadtgründung findet sich z.B. auch ein Foto vom Neujahrsempfang 2014 – weil dieser Empfang immer noch jedes Jahr am Aschermittwoch stattfindet, an dem Tag also, auf den auch die historische Stadtgründung datiert ist. Der Ausstellungsrundgang ist in Themen gegliedert und deckt eine große Vielfalt ab, etwa die Bereiche Handel, Gerichtsbarkeit, Armenwesen, Bildung, Religion, Gesundheit, Zechenwesen oder Wiederaufbau. „Sie müssen unbedingt wiederkommen“, rät Dr. Maria Perrefort den Besuchern schon jetzt. „Beim ersten Besuch kann man gar nicht alles im Detail erfassen.“

Gleich zu Beginn der Ausstellung trifft das Publikum auf eine große Portraitwand zum aktuellen Thema Migration, wobei das Thema gar nicht so neu ist, wie man schnell feststellen kann, denn: Schon die ersten Bewohner von Hamm waren Migranten, nachdem ihre Siedlung in Nienbrügge zerstört worden war. Überhaupt sind Fotos wie diese Portraits ein wichtiges Gestaltungselement in der Abteilung Stadtgeschichte. „Sie sind oft das einzige Zeugnis, das wir noch von den alten Zeiten haben“, unterstreicht die Kuratorin. „Sie sollen Anstöße sein, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.“ Prägnante Texte ergänzen die Abbildungen und liefern die historischen Hintergründe. „Natürlich können wir nicht alles zeigen“, sagt Dr. Maria Perrefort. „Deshalb laden wir die Bürger ein, ihr eigenes Stück Stadtgeschichte in einer Vitrine bei uns zu präsentieren, verbunden mit einem persönlichen Statement, warum gerade dieses Objekt für sie wichtig ist.“ So wird Geschichte lebendig, denn letztlich lassen sich über jedes Exponat Geschichten erzählen. „Darin sehe ich auch meine Hauptaufgabe“, fasst die Kuratorin zusammen: „Es geht ja immer um Dinge, die einmal im Alltag von Menschen eine Rolle gespielt haben. Im Museum sind sie dann isoliert und damit tot, ich will sie wieder zu neuem Leben erwecken“. Und das ist ihr gelungen.

Ein Wohnzimmer aus den 50er Jahren