19.12.2017

Erfindungsreich! Die Abteilung Archäologie

Über 10.000 Jahre Kulturgeschichte zeigt die Dauerausstellung zur Archäologie im Gustav-Lübcke-Museum. „Mir ist wichtig, dass der Mensch dabei immer im Mittelpunkt steht“, betont die Kuratorin Susanne Birker. „Wir haben in unserem Museum eine der interessantesten archäologischen Sammlungen in der Region und die Besucher können sich auf eine Zeitreise von der Steinzeit bis ins Mittelalter begeben.“ Seine umfangreiche archäologische Sammlung verdankt das Haus seinem zweiten Museumsdirektor, Ludwig Bänfer. Bänfer hat selbst viele Grabungen geleitet und konnte so wertvolle Stücke für das Gustav-Lübcke-Museum sichern. Diese Funde sind nun ganz neu aufbereitet und durch wichtige Dauerleihgaben ergänzt.
Der Ausstellungsrundgang gliedert sich in verschiedene Abschnitte, etwa zu den Themen Metallverarbeitung, Handel oder Christianisierung, die oft mit großformatigen Fotos unterlegt sind. Das Publikum trifft zum Beispiel auf einen Bogenschützen, einen Rentierjäger oder auch einen herrschaftlichen Reiterkrieger aus Werries. Durch die lebensgroßen Abbildungen werden die Betrachter ganz leicht in die Welt ihrer Vorfahren hineingezogen. „Man kann sich viel besser vorstellen, wie die Menschen hier bei uns vor einigen tausend Jahren gelebt haben, wenn man ein direktes Gegenüber hat“, erklärt Susanne Birker ihre Konzeption.
Gleichzeitig lernt man in der Schau auch etwas über die Arbeitsweise eines Archäologen. Ein Kabinett ist ganz in geheimnisvolles Schwarz getaucht, nur ein einzelnes Exponat steht im Mittelpunkt. Was hat es damit auf sich? Die Archäologie rätselt noch, und so darf auch der Besucher eigene Theorien zu diesem Geweihobjekt entwickeln. Vielleicht handelt es sich dabei um einen frühen Kalender?
Auch an junge Forscher hat die Kuratorin bei der Gestaltung ihrer Abteilung gedacht: An mehreren sogenannten „Hands-on-Stationen“ ist – anders als sonst im Museum – Berühren einmal ausdrücklich erlaubt! Das Anfassen von Tontöpfen, Steinwerkzeugen oder einem Backenzahn eines Mammuts führt zu einem viel bewussteren Begreifen und eröffnet Kindern wie Erwachsenen einen sinnlichen Zugang zu den Objekten. Daneben sind ebenfalls moderne Forschungsergebnisse in die Ausstellung eingeflossen. „Beispielsweise haben wir Leichenbrand, also Asche und Knochen, aus einigen der sammlungseigenen Urnen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen untersuchen lassen“, sagt Susanne Birker. „Wir können jetzt viel genauer bestimmen, wer vor 3.000 Jahren darin bestattet wurde, wir haben Angaben zum Geschlecht, Alter oder Größe der Personen.“ In Silhouetten kann das Publikum diesen Menschen begegnen, auch so wird Archäologie lebenswirklich erfahrbar. Und überhaupt finden sich in dieser Dauerausstellung immer wieder aktuelle Themen, wie etwa zur Klimaentwicklung – was zeigt, wieviel man in der Archäologie auch über das eigene Leben lernen kann.

 Reiterzierscheibe aus der Archäologischen Sammlung