19.12.2017

Stilsicher! Die Abteilung Angewandte Kunst

Wer war eigentlich Gustav Lübcke? Die Besucher der Abteilung Angewandte Kunst treffen zunächst einmal auf den Namensgeber des Gustav-Lübcke-Museums. „Wir werden immer wieder nach Lübcke gefragt, deswegen haben wir ihm nun ein eigenes Kabinett gewidmet“, erklärt Dr. Diana Lenz-Weber, die diesen Bereich kuratiert hat. Der Kunsthändler Gustav Lübcke steht nicht zufällig am Beginn der kunsthandwerklichen Dauerausstellung, verdankt das Museum viele seiner Schätze doch gerade seiner Sammelleidenschaft. Vor rund hundert Jahren hat Lübcke seine exquisite Sammlung der Stadt Hamm vermacht, doch die Angewandte Kunst ist nicht in der damaligen Zeit stehen geblieben. „Es war mir ein besonderes Anliegen, auch zeitgenössische Künstler in die Gestaltung der Ausstellung einzubeziehen“, sagt Diana Lenz-Weber. Insgesamt fünf Künstlerinnen und Künstler haben verschiedene Sammlungsobjekte zum Ausgangspunkt für eigene Arbeiten genommen. So ist zum Beispiel ein Glasteppich passend zu einem Rokoko-Tisch entstanden, und die lebensgroße Drahtpuppe „Luise“ entführt mit ihrem filigranen Papierkleid direkt in die Zeit des Biedermeier.
Die Abteilung Angewandte Kunst bietet keinen chronologischen Rundgang durch verschiedene Jahrhunderte, sondern die Kuratorin setzt auf Konzentration und Materialwelten. Das Publikum kann die Beschaffenheit von Porzellan, Silber, Zinn, Glas oder Keramik kennenlernen und dabei immer wieder auch besonders formschöne Objekte der Museumssammlung entdecken. „Es war seit jeher ein Bedürfnis der Menschheit, Objekte nicht nur nach ihrer Funktion zu gestalten, sondern sie auch dekorativ zu veredeln“, sagt Diana Lenz-Weber. „Und so soll unsere Präsentation den Besuchern nicht nur die Augen, sondern auch das Herz öffnen“.
Ein wahrer Genuss sind beispielsweise die drei Wohnensembles aus dem 19. Jahrhundert, die den zweiten Schwerpunkt der Abteilung bilden. Möbelstücke aus Biedermeier, Historismus und Jugendstil sind hier ästhetisch arrangiert zu Wohnwelten vergangener Zeiten. Aber auch selbst sitzen ist in der Angewandten Kunst erlaubt: Gegenüber einer bunten Stuhlreihe mit rund zwanzig Objekten aus verschiedenen Jahrhunderten darf der Besucher Platz nehmen. „Stühle sind heute etwas ganz Selbstverständliches, die wenigsten denken darüber nach, worauf sie gerade sitzen“, erklärt die Kuratorin ihre Idee. „Früher war der Stuhl als Thron jedoch etwas ganz Besonderes und dem Herrscher vorbehalten, es kann also durchaus einen Unterschied machen, wie oder wo man sitzt.“ Das Publikum in der Ausstellung kann angenehmes und unbequemes Sitzen am eigenen Leib erfahren, und am Ende nimmt man vielleicht sogar die eigene Wohnzimmereinrichtung anders wahr. Damit auch junge Besucher die Abteilung für sich entdecken können, gibt es außerdem eigene Rätsel- und Suchspiele. So wird der Ausstellungsrundgang zu einem anregenden Erlebnis für die ganze Familie.

Mehrere bunte Stühle auf einer weißen Fläche