19.10.2017

Bärenbrunnen

„Eine besondere Zierde der Anlage ist der Bärenbrunnen, der als Gegenstück zum Musikpavillon dem Rasenparterre einen wirkungsvollen Abschluß gibt.“ So schrieb der Westfälische Anzeiger über die  Eröffnung des Ostrings am 14. Juni 1914. Der Kunststein-Brunnen mit einer Gruppe von drei Bären wurde im April 1914 als östlicher Abschluss des Alleenbereichs aufgestellt und sollte an den Ahse-Wasserlauf erinnern. Stadtbaurat Otto Krafft hatte den Bärenbrunnen 1913 bei einem Besuch der Leipziger Baufachausstellung für circa 25.000 Mark erworben. Er ist damit eine der ältesten, vollständig erhaltenen Brunnenanlagen in Hamm. Auf einem achteckigen Stufensockel ruht eine kreisrunde Brunnenschale. In ihrer Mitte ragt eine Säule dorischer Ordnung empor, zu deren Fuß zwei große Bären sitzen. Ein dritter Bär liegt mit einem kleinen Kind auf dem Rücken auf dem Säulenkapitell. Aus allen drei Bärenmäulern sprudelt Wasser, was den Brunnen besonders in den heißeren Monaten zu einem beliebten Aufenthaltsort macht.

Der Bärenbrunnen in den 50er Jahren 
Ansicht des Bärenbrunnens aus den 1950er Jahren

Infolge der Luftangriffe und der Zerstörung der Anlage im Zweiten Weltkrieg versiegte der Brunnen. Die in Mitleidenschaft gezogenen Bären konnten nach aufwendigen  Instandsetzungsarbeiten erst ab 1963 ihr Wasserspiel wieder dauerhaft fortsetzen. Ende 1972 stahlen Unbekannte zweimal den Kopf eines Bären. Eine vollständige Restaurierung erhielt der Brunnen zuletzt im Jahr 2005. Die Anlage aus Kunststein wies konstruktionsbedingt so große Schäden auf, dass die Figuren durch einen originalgetreuen Abguss ersetzt werden mussten. Die Originale stehen seitdem geschützt im Magazin des Gustav-Lübcke-Museums Hamm. In den Sommermonaten plätschert nun wieder das Wasser. Damit ist der Bärenbrunnen erneut zu einem attraktiven Anlaufpunkt im Ostring geworden.

Ringanlagen

Am 14. Juni 1914 wurde der Ostring, eine gärtnerisch gestaltete Freifläche im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung von Hamm, feierlich eröffnet. Vorausgegangen war die Verlegung von Lippe und Ahse im Zusammenhang mit dem Bau des heutigen Datteln-Hamm-Kanals 1910 bis 1914. Oberbürgermeister Richard Matthaei unterstützte die Initiative des Stadtbaurats Otto Krafft, anstelle der Flussläufe und Stadtgräben die Ringanlagen zu schaffen. Zur Gestaltung des Grüngürtels wurde 1912 ein Wettbewerb durchgeführt.

Den ersten Preis des Wettbewerbs zur Gestaltung der Ringanlagen bekam im April 1912 der Entwurf "Bürgersinn schmücke die Stadt mit des Ringwalls grünendem Kranze" des Regierungsbaumeisters a.D. Dr. Ing. Jakob Dondorff aus Hamm, des Architekten Hermann Neuhaus und der Gartenarchitekten Reinhardt und Rausch aus Köln. Dieser Entwurf nutzt die bestehenden geographischen Verhältnisse mit dem Ziel, die Ringpromenade in das Städtebild einzufügen. Architektonische Strenge und gärtnerische Gestaltung der Flächen wechseln sich ab, um so eine Vielfalt zu erzeugen. Die veranschlagten Ausgaben für die Verlegung der Ahse und die Anlage der Ringpromenade beliefen sich auf 1 900 000 Mark (heute 8.930.000 €uro).

Prägende Elemente der Anlage sind neben dem Musikpavillon und dem Bärenbrunnen das Tiefparterre mit den begleitenden Alleen und den dazwischen liegenden profilierten Rasenflächen. war als Teilstück und Abgrenzung des geplanten Rathausplatzes gedacht. Der Gesamtentwurf wurde zum Teil umgesetzt. Anstelle der "kleinen Ahse", der Terrasse vor dem geplanten Museumsneubau und der Roseninsel am Nordentor, wurden eine vorgelagerte Terrasse und dahinter ein Rosengarten angelegt. Die im Entwurf vorgesehenen, an den Otto-Krafft-Platz angrenzenden öffentlichen Gebäude wurden später an anderer Stelle errichtet. Die Ringanlagen erhielten aus Anlass des Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II. den Namen Kaiser-Wilhelm-Ring. Um 1922 wurden die einzelnen Abschnitte in Ost-, Nord-, West- und Südring umbenannt.