Ägyptische Sammlung
Die Ägyptische Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm ist die größte Sammlung von Aegyptiaca in Westfalen und die zweitgrößte in NRW. Ihre bekannteste Attraktion ist sicher der mumienförmige Sarg des Peti-Imen-menu. Mumienporträts, Mumienmasken, ein großer Kastensarg, Tiermumien, ein Totenbuchpapyrus, eine Stele des weitgehend unbekannten Königs Bokchoris sowie aus dem Alten Reich eine Scheintür und ein kleiner Grabobelisk zählen zu den weiteren Highlights. Bedeutend ist ferner die Sammlung koptischer Textilien aus spätantiker, frühbyzantinischer und frühislamischer Zeit.

Geschichte der Sammlung
Der Entstehung der Sammlung ging die Gründung eines „Mumienvereins“ voraus, in dem sich ägyptenbegeisterte Hammenser Bürger zusammenfanden, um eine originale ägyptische Mumie zu erwerben. Zu diesem Zwecke wurde am 26. Juni 1886 eine Aktie herausgegeben. Tatsächlich wurde auf Vermittlung des Ägyptologen Emil Brugsch eine Mumie mit Sarg und Kartonage in Ägypten erworben, die am 14. Dezember 1886 in Hamm eintraf. Zunächst wurde diese im Restaurant Juckenack ausgestellt und konnte gegen Entgelt besichtigt werden. Ein Jahr später wurde die Mumie dem Museumsverein übereignet und stellt damit das erste Original der Ägyptischen Sammlung dar. Die Geschichte ihrer Erwerbung durch den 20köpfigen Hammenser Mumienverein gilt inzwischen als Paradebeispiel der „Aegyptomanie“ genannten Ägyptenbegeisterung im 19. Jahrhundert.
Die Mumie hat den Zweiten Weltkrieg allerdings nicht überdauert, da sie 1945 der Bombardierung des alten Museums zum Opfer fiel. Den eigentlichen Grundstock der Sammlung bilden ohnehin die von Gustav Lübcke im Jahre 1917 übereigneten ca. 1000 Einzelobjekte umfassenden Bestände. Diese erfuhren 1968 durch die Erwerbung der rheinischen Privatsammlung Föhr noch einmal einen bedeutenden Zuwachs. Seitdem werden immer wieder mit Unterstützung des Museumsvereins herausragende Einzelstücke angekauft. Zuletzt wurde im Jahre 2004 ein Segelschiffmodell aus der Zeit um 2000 v. Chr. erworben.

Särge
Als Ersatz für die vernichtete Mumie und ihre Behältnisse konnte 1964 der schon erwähnte Sarg des Peti-Imen-menu aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. erworben werden, bei dem es sich um einen Fund handelt, der vor dem 1. Weltkrieg in unmittelbarer Nähe des deutschen Grabungshauses in Theben-West gemacht worden war. Wissenschaftlich bedeutender ist der aus dem mittelägyptischen Assiut stammende Kastensarg der Sat-Sobek (um 1900 v. Chr.): Wir wissen heute, dass er zusammen mit einem in Turin und zwei in Kairo aufbewahrten Särgen in derselben Werkstatt hergestellt worden ist. Als qualitativ wertvollstes Objekt der Sammlung darf eine akribisch bemalte Mumienmaske angesehen werden, die um 300 v. Chr. in der mittelägyptischen Stadt el-Hibe angefertigt wurde.

Bronze- und Tonfiguren
Will man einen Überblick über die ägyptische Götterwelt erhalten, verschaffen einem die zahllosen erhaltenen Bronzefiguren den schnellsten Zugang. Unter den von Gustav Lübcke dem Museum gestifteten Beständen finden sich nicht nur der Unterweltsgott Osiris, der Kindgott Harpokrates, die katzenköpfige Bastet und die stillende Isis, sondern auch die überaus seltene Figur eines Gottes mit zwei Gesichtern.
Die aus der Ptolemäer- und Römerzeit (3. Jh.v. bis 3. Jh. n. Chr.) stammenden Tonfiguren zeigen u.a. den Zwerggott Bes, den sphinxgestaltigen Gott Tutu sowie die griechischen Göttinnen Athena und Artemis. Eine Rassel in Igelform wurde vielleicht geschüttelt, wenn zur Vertreibung von Schlangen und Ungeziefer Zaubersprüche rezitiert wurden.

Koptische Stoffe
Das Gustav-Lübcke-Museum besitzt rund 75 ägyptische Textilien aus spätantiker, frühbyzantinischer und frühislamischer Zeit, die gemeinhin mit dem Oberbegriff „koptische Textilien“ bezeichnet werden. Diese Leinengewebe waren reich mit bunten Besatzstücken verziert. Neben rein dekorativen Motiven finden sich vor allem Darstellungen aus der klassischen Sagenwelt. Später treten christliche Themen wie die Josephsgeschichte hinzu. Eine seit 1917 in Hamm aufbewahrte Hälfte eines langärmeligen Gewandes (Tunika) aus Achmim wurde mitsamt den Ziermotiven in einem Stück gewebt. Bei einer 1987 erworbenen vollständigen Kindertunika sind die in der üblichen Weise separat aufgenähten Besatzstücke farbig verziert. Besonders bemerkenswert sind Besätze aus Seide, die aus einem wohl beschädigten Seidenstoff zur Wiederverwertung herausgeschnitten wurden.

Literaturtipp
Die ägyptische Sammlung des Gustav Lübcke Museums Hamm
Auswahlkatalog von Martin von Falck und Cäcilia Fluck
311 Seiten, Hamm 2004
erhältlich im Museumsshop

